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Der erste Kuss – zärtliche Annäherung eines neuen Instrumentes an Neue Musik | nmz

Der erste Kuss – zärtliche Annäherung eines neuen Instrumentes an Neue Musik | nmz

Nach einer – in diesem Moment erdachten – Klassifikation gibt es drei Arten von Musikinstrumenten: Der gängigste Typ ist der, den der Musiker in einer kleinen Tasche oder einem handlichen Koffer mit sich führen kann (Flöte, Oboe, Geige, … bis hin zur Tuba). Das andere Extrem ist eine Klasse, in der sich nur ein einziges Instrument befindet: die Orgel. Sie steht immer an derselben Stelle und empfängt als (wie Wolfgang Amadeus Mozart es nennt:) „König aller jinstrumenten“ quasi ihren Musiker zu einer Audienz. Die dritte Gruppe zeichnet sich dadurch aus, dass man ein neues und geräumigeres Auto kaufen muss, wenn man sich diesem Instrument zuwendet, etwa Harfe, Kontrabass, Pauke oder Oktokontrabassklarinette.

Oktokontrabassklarinette? – In einer musikalischen Kultur, die ihre Musik auf einem Bassfundament denkt, baut und gründet, kommt es natürlich auch im Musikinstrumentenbau immer wieder zu Versuchen, dieses Bassfundament klarer, hörbarer und beweglicher durch Musikinstrumente gestalten zu können und es natürlich auch in eine immer tiefere Lage zu führen. Im April dieses Jahres hat der Klarinettenbauer Martin Foag erstmals seine neu entwickelte Oktokontrabassklarinette (im weiteren kurz „Okto“) auf der akustika in Nürnberg der Öffentlichkeit vorgestellt. Voller Stolz verkündet er auf seiner Homepage, er sei nun der „einzige Hersteller“, der „das tiefste Blasinstrument der Welt“ präsentiert.

Der erste Versuch, eine Okto zu bauen, ist nun bald 100 Jahre her. Damals, im Jahr 1939, baute die im französischen La Couture Boussey ansässige G. Leblanc Corporation erstmals ein solches Instrument. Wie es dazu gekommen ist, ist leider nicht bekannt – ob es einen Auftrag(geber) gab, eine wie auch immer geartete klanglich-ästhetische Vorstellung in der Luft lag oder die G. Leblanc Corporation nur eine Art „Vollständigkeitswahn“ hatte, also einen „vollständigen“ Satz an Klarinetten bauen (und sicher auch verkaufen) wollte, das ist in den Geschichtsbüchern nicht verzeichnet. Wie auch immer: Das Instrument wurde gebaut – und war in seiner äußeren „gewickelten“ Form des Rohres, die an eine Büroklammer erinnert („Paperclip“) sicher auch Vorbild für das Instrument von Foag. Auch ob die Leblanc-Okto jemals funktionstüchtig war, ist nicht überliefert. Sie ist ein Einzelstück, ein Prototyp, geblieben und steht heute im Museum „Le Musée des Instruments à vent“ in La Couture Boussey.

In der Fachliteratur findet man im Jahr 1967 eine Erwähnung der Okto in dem Buch „Woodwind Instruments and Their History“ (London: Faber & Faber 1967; Reprint: Dover Publications, New York, 1991) von Anthony Baines. Er erwähnt eine Klarinette, die noch um eine Oktave tiefer ist als die Kontrabassklarinette – eben die Okto, die gelegentlich auch als „Subkontrabassklarinette“ bezeichnet wird.

Träume, klangliche Notwendigkeit und ein Auftrag

Als sich der Klarinettist Georg Wettin und Foag erstmals vor knapp 10 Jahren trafen, kam schnell das Gespräch auf eine sehr tiefe Klarinette. Sicher auch angesichts des immensen Forschungs- und Arbeitsaufwandes und natürlich der erheblichen Kosten, kam es damals noch nicht dazu, dass dieser Traum zeitnah weiterverfolgt werden konnte. Vor etwa 5 Jahren trat ein US-amerikanischer Organist an Foag heran und fragte ihn, ob er ihm eine Leblanc-Okto nachbauen würde. Sehr schnell kam man aber zu dem Ergebnis, dass eine Neuentwicklung vernünftiger und zielführender sein würde. Der Auftrag wurde erteilt.

Der Auftraggeber, Timothy Tikker, ist Klarinettist, Organist und Komponist. Er sagt: „Als Organist verstehe ich den Wert der tiefsten Basstöne, das, was wir Organisten als 32′-Lage [sprich: 32 Fuss-Lage] bezeichnen, also den Tonumfang von CCC bis HHH, insbesondere um die Basstöne in den darüber liegenden Oktaven zu unterstützen. Aber nicht alle Konzertsäle haben Orgeln oder einige haben Orgeln ohne 32′-Register. Die 32′-Lage ist ein zentrales Merkmal des Orgelklanges das im Orchesterrepertoire gefordert wird, explizit in die Partitur eingezeichnet etwa in Ottorino Respighis „Pini di Roma“, Edgar Varèses „Ecuatorial“ und in den Sätzen „Saturn“ und „Neptun“ in Gustav Holsts „The Planets“.“

Parallel zu diesen Orchesterüberlegungen nahm Tikker wahr, dass es aktuell unter Klarinettenspielern Strömungen gab, die sich mit dem musikalischen Potenzial der tiefsten Klarinetten, besonders der Kontrabassklarinette, in der zeitgenössischen Musik auseinandersetzten, bis hin zu „erweiterten Techniken“. Für Tikker galt es also, eine instrumentale Alternative zu den 32′‑Registern der Orgel zu suchen, ebenso wie ein möglicherweise noch tieferes Instrument als die Kontrabassklarinette für die Kollegen der aktuellen Kunstmusik. – Der Komponist Ernst Helmuth Flammer betonte jüngst in einem Gespräch mit dem Autor, dass neben den rein klanglichen Qualitäten der tiefen Lage, diese auch physisch [sic!] wahrnehmbar sein dürfe, obwohl sie möglicherweise nicht wirklich hörbar sei.

Unzählige Versuche

Fünf Jahre mit „unzähligen Versuchen“ führten Foag zum Ergebnis. Foag berichtet aus dieser Arbeit: „Zuerst machten wir unzählige Versuche mit unterschiedlichen Mundstücken und Bohrungsdurchmessern. Dann berechneten wir die Tonlochpositionen und -größen. Prototypen wurden dann gefertigt. Diese wurden von uns und von Kunden, die sich schon jahrelang mit Kontrabassklarinetten beschäftigten, angespielt und die Prototypen mit dem Messsystem BIAS elektronisch vermessen. Immer wieder wurden Modifizierungen gemacht und wieder angeblasen und wieder mit BIAS vermessen. Am Ende galt es, eine funktionierende und robuste Mechanik zu konstruieren und den Korpus so zu gestalten, dass er einigermaßen einfach zu händeln ist.“ – Manche Entscheidungen waren für Foag von vornherein klar: So wurde das Instrument aus Metall und nicht aus Holz gefertigt. Mit Metallklarinetten hatte sich Foag bereits einiges Wissen angeeignet und positive Erfahrungen damit gemacht.

Ein paar Eckdaten der Oktokontrabassklarinette: Metallklarinette, Höhe: 1,8 m, Rohrlänge (gewickelt) 5,7 m, Korpus aus Messing, zylindrische Bohrung, überbläst in der Duodezime, tiefster Ton: Subkontra B (14,5 Hz – sehr nah an der „normalen“ menschlichen Hörschwelle), Umfang etwa 6 bis 6 ½ Oktaven, Böhm-System, 2 Halbtöne tiefer gehend als die Leblanc-Klarinette, vereinfachtes französisches Griffsystem, Klappen teilweise mit Bowdenzügen, Gewicht (noch nicht gewogen, daher geschätzt): mehr als 25 kg.

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